Ein wiedergeborenes Juwel europäischer Kurarchitektur
Als die europäische Elite Ende des 19. Jahrhunderts nach Karlsbad kam, suchte sie nicht nur die Heilquellen, sondern vor allem gesellschaftliches Ansehen. Das Kaiserliche Kurhaus wurde zum Symbol dieses Luxus und hat sich, auch nach einer kürzlich erfolgten, prunkvollen Rekonstruktion, seinen Ruf als modernstes und prächtigstes Kurhaus seiner Zeit bewahrt. Mitglieder von Königshäusern, Adel und die reichsten Industriellen der damaligen Welt erholten sich hier regelmäßig.
Geschichte
Die Geschichte des Kaiserlichen Kurhauses begann Ende des 19. Jahrhunderts, in der Blütezeit der Stadt. An der Stelle der ursprünglichen Bürgerbrauerei entstand zwischen 1893 und 1895 ein architektonisches Juwel, entworfen vom berühmten Wiener Architektenduo Fellner & Helmer. Diese zeichnen übrigens auch für das Karlovy Vary Theater und das Grandhotel Pupp verantwortlich.
Das modernste und luxuriöseste Spa
Es war damals das modernste und luxuriöseste Kurhaus der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie. Das Gebäude war nicht nur mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet, sondern auch mit einem ausgeklügelten System zur Aufbereitung und Verteilung von Heiltorf in die einzelnen Badezimmer.
Vom Niedergang zum spektakulären Comeback
Nach jahrzehntelangem Verfall in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und fragwürdigen Privatisierungsversuchen wurde das Gebäude in den letzten Jahren grundlegend saniert. Die 2023 abgeschlossene Rekonstruktion verlieh dem Gebäude seinen ursprünglichen Glanz zurück, einschließlich der einzigartigen Integration eines Konzertsaals in das innere Atrium. Heute werden die Kaiserlichen Bäder nicht mehr zum Baden genutzt, sondern dienen als multifunktionales Kulturzentrum.
Innenführungen
Die Innenräume des prachtvollen Gebäudes können heute im Rahmen von Führungen und individuellen Besichtigungen erkundet werden. Das Betreten der Kaiserthermen ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Die Innenräume vereinen Elemente der Neorenaissance, des französischen Klassizismus und des Jugendstils.
Treppe
Beim Betreten des Gebäudes fallen den Besuchern sofort die majestätische Treppe und der prachtvolle Stuckschmuck ins Auge. Die Wände sind mit Fresken wie „Die Entdeckung der schlafenden Frühlingsfee“ und „Die Entdeckung des Frühlings“ geschmückt.
Das gesamte Gebäude war strikt in einen Frauen- und einen Männerbereich unterteilt.
Atrium und neuer Konzertsaal
Mitten im Gebäude, auf dem Gelände des historischen Wirtschaftshofs, entstand ein moderner, multifunktionaler Veranstaltungssaal, der als Heimspielstätte des Karlovy Vary Symphony Orchestra dient. Er ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich hypermoderne Architektur und historisches Denkmal harmonisch verbinden lassen. Dank des Neubaus im Atrium finden hier hochkarätige Konzerte klassischer und moderner Musik statt.
Fitnessstudio
Die riesige Zanderhalle diente als Turnhalle. Sie ist mit fünf Ölgemälden zum Thema der (damals wiederaufgenommenen) Olympischen Spiele geschmückt. Einst beherbergte der Raum spezielle mechanische Krafttrainingsgeräte (die Vorläufer der heutigen Fitnessstudios).
Damen-Wartezimmer
Auf jeder Etage des Gebäudes befanden sich Warteräume, von denen aus man Umkleidekabinen oder Massagebereiche erreichte.
Damentoilette
In der Damenlounge hängt ein Gemälde, das wichtige Gäste des Kurortes darstellt. Ein interessantes Beispiel ist Albrecht von Wallenstein.
Herrentoilette
Dieser Aufenthaltsraum diente den Herren zur Entspannung nach dem Baden. Hier hängt ein Gemälde, das die berühmtesten Besucher des Kurortes zeigt. Unter den 67 Persönlichkeiten stechen Kaiser Franz Joseph I. und seine Gemahlin, der Komponist Beethoven und der Dichter Goethe besonders hervor.
Imperial Badezimmer
Das absolute Highlight der Führungen und ein wahrer Touristenmagnet ist das kaiserliche Badezimmer. Dieser Raum wurde eigens für Kaiser Franz Joseph I. entworfen; im Gegensatz zu vielen anderen berühmten Persönlichkeiten nutzte er ihn jedoch nicht.
Torf und Wasser wurden mithilfe einer Hydraulik direkt aus dem Keller in das versenkte Becken geleitet. Das Becken ist nicht, wie es Tradition ist, golden, sondern aus Eiche.
Vorraum des kaiserlichen Badezimmers
Der Vorraum zum Badezimmer besticht durch reich verzierte Holzvertäfelungen und Gemälde an den Wänden.
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