Stummer Zeuge einer Tragödie
Etwa 7 km nordnordwestlich, im Herzen des Isergebirges, gibt es einen Ort, der durch seine bedrückende Geschichte hervorsticht: der zerbrochene Damm an der Bílá Desná, auch bekannt als Protrženka.
Es ist nicht nur ein Touristenziel mit wunderschöner Natur, sondern vor allem ein stiller Zeuge einer Katastrophe, die sich unauslöschlich in die Geschichte der Region eingeschrieben hat. Eine Reise zu seinen Überresten ist wunderschön, folgt aber auch den Spuren einer der größten Wassertragödien unseres Landes.
Hochwasserschutzbauwerk
Der Bau eines Erddamms auf über 800 Metern Höhe sollte das im 19. Jahrhundert von häufigen Überschwemmungen heimgesuchte Vorgebirge vor Hochwasser schützen. Der Desná-Damm wurde 1915 fertiggestellt, zeitgleich mit dem nahegelegenen Souš-Stausee, der noch heute in Betrieb ist. Leider war seine Lebensdauer tragisch kurz. Bereits zehn Monate nach der endgültigen Genehmigung traten fatale Fehler bei Planung und Bau zutage.
Katastrophe
Am Montag, dem 18. September 1916, bemerkten Holzfäller das erste Rinnsal, das unter dem Damm hervorquoll. Das Rinnsal wurde schnell stärker, und um 16:15 Uhr begann die Pflasterung auf der stromaufwärts gelegenen Seite einzustürzen. Sie sank daraufhin schnell auf den Grund des Stausees, sodass nur noch die Krone übrig blieb. Diese stürzte in den wilden Strom des fließenden Wassers. Schließlich brach der gesamte Damm und verursachte eine katastrophale Flutwelle.
Tragische Folgen
Der Dammbruch hatte unvorstellbare Folgen. 62 Menschen verloren ihr Leben, 100 Häuser wurden schwer beschädigt oder völlig zerstört, 370 Menschen verloren ihr Eigentum und 1.020 ihre Lebensgrundlage. Die Folgen der Katastrophe waren entlang der gesamten Flüsse Desná, Kamenice und Jizera bis nach Železný Brod sichtbar.
Kultstätte
Schon bald nach der Tragödie entwickelte sich das Gebiet zu einem beliebten Gotteshaus und einer Touristenattraktion. 1996 wurde der Ort zum Kulturdenkmal der Tschechischen Republik erklärt.
Was werden Sie heute vor Ort sehen?
Heute ist das Gebiet des zerstörten Staudamms ein nationales Kulturdenkmal und bildet einen einzigartigen und ehrwürdigen Ort. Von dem Damm sind nur noch Teile erhalten, die der Kraft der Elemente und der Zeit standgehalten haben. Das dominanteste Überbleibsel ist der Torturm, der mitten auf dem ehemaligen Damm steht und als Wächter des gesamten Geländes fungiert. Zu sehen sind auch die Überreste der Überlaufkaskade und der zerstörte Ort selbst, der heute das Bett der Bílá Desná bildet.
Rechtsufrige Sicherheitsüberlaufrinne
Im westlichsten Teil des Gebiets befinden sich die Reste eines Sicherheitsüberlaufs. Hier gibt es auch einen schönen Rastplatz.
Touristenziel
Der Stausee Protržená ist nicht mit dem Auto erreichbar, die Anreise erfolgt ausschließlich zu Fuß auf Wanderwegen. Der Ort ist bei Touristen und Radfahrern beliebt, auch weil er ein idealer Ausgangspunkt für weitere Ausflüge ins Isergebirge ist.
Jára Cimrmans Radweg
Im Isergebirge gibt es zahlreiche Orte, die an das fiktive tschechische Genie Jára Cimrman erinnern. So auch an diesem Ort.
Krömers Hütte
Es gibt eine Schutzhütte mit Terrasse, wo in der Saison Erfrischungen serviert werden. Außerhalb der Saison gibt es eine Selbstbedienungsbar, wo Sie auch Bier bekommen.
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